Mehr als 400 Jahren am angestammten Platz, hatten der Säule des Marktbrunnens der "Marktgemeinde Miltenberg"an ihrem Standort soweit zugesetzt, daß eine Renovierung unmöglich war.

Die Schäden waren so groß, daß nur eine originalgetreue Kopie,  dieses Meisterwerk´s  der Bildhauerkunst des 16.Jahrhunderts, für den dauerhaften Verbleib am ursprünglichen Platz in Frage kam.

Das vorsichtig gereinigte Original fand nach Abschluß der Rekonstruktion seinen Platz im Stadtmuseum von Miltenberg.

Mit einigen Bildern wollen wir ihnen den Ablauf der Rekonstruktion im Frühjahr und Sommer 1980  verdeutlichen.

 

 

In diesem Zustand kam die Säule bei uns an, insbesondere der untere Teil war durch die ständige Feuchtigkeit, in Verbindung mit Fost sehr stark beschädigt. Weitere Schäden wurden durch die Kämpfe gegen Ende des 2. Weltkrieges verursacht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Viele Ornamente und "Fratzen" der Wasserspeier waren nicht mehr zu erkennen, Profile waren stark beschädigt und große Teile der Oberfläche durch Witterungseinflüsse und Chemische Prozesse der Neuzeit beschädigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Absprache mit den zuständigen Denkmalpflegebehörden wurde entschieden,  die gesamte Säule aus dem gleichen Material wie das Original als Kopie zu ersetzen.

Neben der Kopie sollte das Original als Einheit für die Nachwelt erhalten werden.

Das Material für die Rekonstruktion wurde aus dem Steinbruch der Firma Wassum aus Miltenberg bezogen.

Nach den ersten Arbeitschritten am "Rohmaterial" wurden an allen Vorlagen sowie den neu zu erstellenden Teilen Fixpunkte für die sogenannte Punktiermaschine angebracht, mit deren Hilfe es möglich ist Details 1zu1 vom Original zur Kopie zu übertragen.

Vorher mussten fehlende Details an den Originalen mit Gips anmodelliert werden.

Nach dem Kopieren der Säule konnten diese Gipsergänzungen  dann  ohne Spuren zu hinterlassen und weitere Beschädigungen wieder von den Vorlagen entfernt werden.

 

 

 

Zuletzt konnten dann dann auch die Fixpunkte  entfernt und letzte Details an den neuen Säulenteilen bearbeitet werden. 

Um den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht zu werden erfolgten die endgültigen Bearbeitungsschritte alle per Hand und traditionellen Werkzeugen, um die Bearbeitung der historischen Arbeitsweise und Optik des 16. Jahrhunderts anzupassen.

 

 

Auf dem Bild unten  sind Vorlage und Kopie nebeneinander zu sehen, der regelmäßige Blick auf die Vorlage ist bei solchen Kopien unverzichtbar.

Für das "Finish" wurden ausschließlich geschmiedete Werkzeuge verwendet, glücklicherweise gab es damals im Ort noch einen Schmied, der sich mit dem schmieden und härten von Steinmetzwerkzeugen auskannte.

 

Solche Schmiede gibt es nur noch sehr selten, weshalb wir uns selbst mit diesem Handwerk beschäftigt haben und uns eine eigene Feldschmiede sowie dazugehörige Werkzeuge beschafft haben.

So sind wir heute in der Lage, unsere Werkzeuge für die Bearbeitung von Sandstein und anderen Weichgesteinen selbst zu schärfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem Transport nach Miltenberg wurden alle Einzelteile noch gereinigt und fotografiert. Die kleinen Köpfe unter den Wasserspeiern waren soweit zerstört, daß wir die Freiheit bekamen, diese nach eigenen Vorstellungen zu rekonstruieren.

Ähnlichkeiten mit damals in Bayern lebenden Persönlichkeiten sind aber rein "Zufällig" und nicht beabsichtigt.

 

                              

 

Auch der mittlere Teil , die Wasserspeier sind fertig und bereit zur Aufnahme der Auslaufrohre, hier konnten die historischen Vorlagen rekonstruiert und die "Fratzen" detailgetreu kopiert werden

 

 

 

 

einige Tage vorher sah dieses Teil noch so aus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechtzeitig vor der geplanten Einweihung der neuen Brunnensäule zu Frohnleichnam 1980, konnten wir die Säule nach Miltenberg transportieren und dort mit Unterstützung der Firma Wassum montieren.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem der Chef selbst die letzten Arbeiten zum Abschluß gebracht hatte,

wurde das gesamte Werk von Erich Wassum, dem damaligen Inhaber der Firma Wassum abgenommen

 

Die Hilfskonstruktion wurde abgebaut und damit waren unsere Arbeiten an diesem interressanten Projekt abgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über diese Restaurierung berichtete u.A. die Rheinpfalz in ihrer Ausgabe vom 19.4.1980

Joomla Template - by Joomlage.com